Eine Website rund um Schönheit und Gesundheit vereint ganz unterschiedliche Inhalte: Produktbeschreibungen für Kosmetik, Artikel über Ernährung, dermatologische Tipps und Pflegeroutinen für die Haare. Ob Besucher zwischen diesen Bereichen problemlos navigieren können oder nach dreißig Sekunden Suche abspringen, hängt von der Informationsarchitektur ab.
Barrierefreie Menüs: ein regulatorischer Rahmen, der neue Maßstäbe setzt
Bevor es um Benutzerfreundlichkeit oder Design geht, muss die Struktur einer Beauty- und Gesundheitswebsite rechtliche Anforderungen erfüllen. Der European Accessibility Act gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte E-Commerce-Dienstleistungen. Websites, auf denen Kosmetik oder Nahrungsergänzungsmittel online verkauft werden, sind unmittelbar betroffen.
Der RGAA (Référentiel général d’amélioration de l’accessibilité) enthält konkrete Kriterien zur Bewertung der Barrierefreiheit. Dazu gehören die Struktur der Rubrikbezeichnungen und die Tastaturnavigation. Ein Dropdown-Menü, das sich nur beim Überfahren mit der Maus öffnet, schließt alle aus, die mit einem Screenreader oder ausschließlich mit der Tastatur navigieren.
Wer Rubriken von Anfang an barrierefrei gestaltet, muss nach einem Audit nicht das gesamte Menü überarbeiten. Die Bezeichnungen sollten auch ohne Kontext eindeutig sein: „Gesichtspflege für trockene Haut“ ist für einen Screenreader, der die Links einer Seite vorliest, verständlicher als „Unsere aktuellen Favoriten“.
Ein Blick auf den Seitenplan von Beauty Health zeigt eine übersichtliche Hierarchie, in der jede Rubrik eine aussagekräftige Bezeichnung trägt. Das erleichtert die Orientierung auch ohne visuelle Anhaltspunkte.

Produkttaxonomie auf einer Beauty- und Gesundheitswebsite: nach Bedürfnissen statt nach Marken ordnen
Die meisten Websites sortieren ihre Produkte nach Marke oder Produkttyp (Creme, Serum, Lotion). Diese Logik eignet sich für Besucher, die bereits wissen, wonach sie suchen. Alle anderen bleiben dabei außen vor.
Eine bedürfnisorientierte Taxonomie stellt das Anliegen der Besucher in den Mittelpunkt: „Feuchtigkeitspflege“, „Anti-Aging“, „Hautprobleme“, „Geschädigtes Haar“. Diese Einteilung entspricht der Art, wie Verbraucher bei Google suchen – oft ausgehend von einem Problem, das sie lösen möchten.
Klassifizierungsmerkmale kombinieren
Ein einzelnes Merkmal reicht nicht aus. Die am besten strukturierten Websites bieten mehrere Zugänge zum selben Produkt:
- Nach Körperbereich (Gesicht, Körper, Haare, Nägel) – das entspricht dem häufigsten Suchverhalten von Kosmetikkäufern.
- Nach Anliegen (Akne, Falten, Pigmentflecken, trockene Haut) – so lassen sich Produkte aus verschiedenen Kategorien einem gemeinsamen Ziel zuordnen.
- Nach Produkttyp (Serum, Creme, Öl, Nahrungsergänzungsmittel) – das ist weiterhin hilfreich für Besucher, die mit ihrer Pflegeroutine vertraut sind und gezielt nach einer bestimmten Darreichungsform suchen.
Für diese Kombination braucht es ein Tag- oder Filtersystem. Seitenleisten mit Filtern funktionieren besser als ein Mega-Menü mit fünf Ebenen, das auf Mobilgeräten schnell unübersichtlich wird.
Hierarchie redaktioneller Inhalte: Produktseiten und Gesundheitsratgeber trennen
Auf Beauty- und Gesundheitswebsites finden sich oft zwei Arten von Seiten: transaktionale Seiten (Produktseiten, Shop-Kategorien) und informative Seiten (Blogartikel, Ratgeber, Themendossiers). Wer beide Bereiche in einem Menü vermischt, verwirrt die Besucher.
Am übersichtlichsten ist eine klare Trennung der Bereiche. Unter „Shop“ oder „Produkte“ finden sich alle Artikel, die zum Verkauf stehen. Ein Bereich wie „Ratgeber“ oder „Magazin“ bündelt die redaktionellen Inhalte. Die Unterrubriken folgen in beiden Bereichen derselben Logik und sind nach Körperbereich oder Anliegen geordnet.
Verknüpfungen zwischen redaktionellen Inhalten und Produkten
Die Trennung im Menü schließt Verbindungen innerhalb der Inhalte nicht aus. Ein Artikel über Anti-Aging-Routinen kann auf passende Produktseiten verweisen. Doch kontextbezogene Links im Fließtext sind eine bessere Lösung als ein überladenes Menü.
Eine solche interne Verlinkung unterstützt auch die SEO. Google erkennt das Thema einer Seite besser, wenn sie mit einem Cluster zusammenhängender Inhalte verknüpft ist. Ein Artikel über Hyaluronsäure, der auf die Kategorie „Feuchtigkeitsseren“ und den Ratgeber „Pflegeroutine für feuchtigkeitsarme Haut“ verweist, schafft ein semantisches Netzwerk, das Suchmaschinen positiv bewerten.

Cookie-Banner und Navigation: einen Konflikt in der Benutzeroberfläche lösen
Auf Beauty- und Gesundheitswebsites verdeckt das Cookie-Einwilligungsbanner häufig das Hauptmenü, besonders auf Mobilgeräten. Die CNIL weist darauf hin, dass das bloße Weitersurfen keine gültige Einwilligung in den Einsatz von Trackern darstellt: Nutzer müssen aktiv und eindeutig zustimmen.
Ein ungünstig platziertes Banner erschwert den Zugang zu den Rubriken unmittelbar. Müssen Besucher erst ein modales Fenster schließen und dann scrollen, um das Menü wiederzufinden, steigt die Absprungrate zwangsläufig. Zwei Grundsätze helfen, diese Hürde zu verringern:
- Das Banner am unteren Bildschirmrand statt als zentrales Overlay platzieren, damit Header und Menü beim Laden der Seite sichtbar bleiben.
- Die Zahl der Optionen auf der ersten Ebene begrenzen (akzeptieren, ablehnen, anpassen) und auf lange Rechtstexte verzichten, die den Inhalt aus dem sichtbaren Bereich schieben.
- Die Darstellung auf Mobilgeräten bei geöffnetem Hamburger-Menü testen: Überlagert das Banner die Rubriken, ist die Navigation für die meisten Besucher beeinträchtigt.
Dieser technische Aspekt wird oft erst nach dem Launch berücksichtigt, obwohl er schon beim ersten Besuch den Zugang zu sämtlichen Rubriken der Website beeinflusst.
Interne Suche und Filter: die Abkürzung, die viele Websites vernachlässigen
Eine leistungsfähige interne Suchfunktion gleicht die Schwächen jeder noch so durchdachten Seitenstruktur aus. Auf einer Website mit Hunderten Kosmetik- und Gesundheitsprodukten wird die Suchleiste für wiederkehrende Besucher zum wichtigsten Navigationstool.
Die Suche sollte Synonyme („Sonnencreme“ und „Sonnenschutz“), häufige Tippfehler und Echtzeitvorschläge berücksichtigen. Filter nach der Suche (Preis, Hauttyp, Format, Bewertung) grenzen die Ergebnisse ein, ohne dass Besucher ihre Suchanfrage neu formulieren müssen.
Ein einfacher Kennwert zeigt, wie gut diese Funktion arbeitet: die Quote der Suchanfragen ohne Treffer. Liegt sie deutlich über einem bestimmten Schwellenwert, verwenden die Rubrikbezeichnungen und Produktseiten wahrscheinlich andere Begriffe als die Besucher. Wird die Terminologie der Website an die tatsächlichen Suchanfragen der Verbraucher angepasst, lassen sich beide Probleme zugleich lösen: die interne Suche und die Suchmaschinenoptimierung.
Die Navigation auf einer Beauty- und Gesundheitswebsite hängt von strukturellen Entscheidungen ab, die früh getroffen werden: eine bedürfnisorientierte Taxonomie, die Trennung redaktioneller und transaktionaler Inhalte, Barrierefreiheit gemäß RGAA und ein Cookie-Banner, das das Menü nicht blockiert. All diese Elemente sollten vor dem Launch auf Mobilgeräten getestet werden, denn dort konzentriert sich der Großteil des Traffics.



